Vorschau: 12. Internationale Biennale der Spitze
25.02.2007 bis 13.05.2007
Die unter der Schirmherrschaft von Königin Fabiola von Belgien stehende Internationale Biennale der Spitze ist für Heidelberg inzwischen eine feste Größe geworden. Bereits zum achten Mal wird der 1982 von Colette van Steyvoort in Brüssel ins Leben gerufene Wettbewerb in diesem Frühjahr in der Textilsammlung Max Berk gezeigt. Einundzwanzig Exponate aus zwölf Nationen (Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Lettland, den Niederlanden, Polen, Thailand und den U.S.A.) wurden hierfür aus insgesamt 130 Einsendungen von einer internationalen Jury ausgewählt; fünf von ihnen wurden mit einer Auszeichnung bedacht. Zielsetzung der Biennale ist es, für die Weiterentwicklung der Spitze neue Wege aufzuzeigen und ihr damit zu einer Anerkennung als Kunstform zu verhelfen. Konsequenterweise beschränken sich viele der Exponate nicht mehr auf Technik, Material und ästhetische Gestaltungsprinzipien, sondern befassen sich mit relevanten Problemen unserer Zeit.
Erna van Sambeeks mit dem Großen Preis ausgezeichnetes Cocktailkleid aus Stecknadeln wirkt nur oberflächlich sexy und setzt sich hintergründig mit der Weiblichkeit in bestimmten Kulturen, wie hier der türkischen, auseinander. Das mit dem 2. Preis bedachte Werk "The Frost" der Finnin Raija Jokinen, gleichermaßen Geäst wie menschliche Adern, befasst sich mit der Wechselwirkung zwischen Seele und Körper. Das Werk "Seeing Paper" der jungen Thailänderin Nithikul Nimkulrat erhielt den 3. Preis: Sechs filigran in Papier gearbeitete, nicht tragbare Gewandformen sind als Metapher menschlicher Wesen u verstehen. Nicht länger lesbar ist das mit dem 4. Preis prämierte "Livre dentellier", das die Französin Leila Brett - ausgehend von Marcel Proust«s "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" - durch Herausschneiden des Textes in eine skulptural wirkende Spitze verwandelt hat. Dem einzigen männlichen Künstler der Ausstellung, Lusis Atis aus Lettland, erkannte die Jury den 5. Preis für seine fast fotografisch anmutende Arbeit "Black Hole" zu: Tausende von Perforationen eines schwarzen Filzes suggerieren Sterne und Galaxien, die im Kontrast zu dem Schwarzen Loch stehen - der dichtesten und einzigen nicht durchbrochenen Partie des Exponates.
Man lasse sich von den mannigfaltigen Möglichkeiten zeitgenössischer Spitzenkunst beeindrucken. Die Objekte werden mit Sicherheit unsere herkömmliche Vorstellung von Spitze auf den Kopf stellen.
i.A. Dr. Kristine Scherer
TEXTILSAMMLUNG MAX BERK / KURPFÄLZISCHES MUSEUM
Brahmsstraße 8
D-69118 Heidelberg-Ziegelhausen
Tel.: +49 6221 800317
Fax: +49 6221 58 46 99050
öffnungszeiten: Mi, Sa, So 13 - 18 Uhr
"Cocktailkleid aus Stecknadeln" von Erna van Sambeek
"The Frost" von Raija Jokinen
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